Ich
bin jetzt 45 Jahre und habe das Gefühl mein
Leben ist gelebt. Es passiert nichts Aufregendes
mehr. Soll das alles gewesen sein?
Waschen, anziehen und einen Spaziergang mit den
Hund. Es ist früh am Morgen, leichter Nebel liegt
über den Feldern, die Elfen trockenen ihre Schleier
und die Sonne, verschlafen schaut sie durch die
Wolken. Der Himmel rot gefärbt, der Tau auf den
Blättern glitzert.
Wir gehen einfach drauf los, der Hund und ich, ohne
Ziel, nur laufen und den Kopf frei bekommen von den
trübsinnigen Gedanken.
Sind es die Wechseljahre oder ist es die Angst vor
dem Alter. Schon wieder Gedanken, ich wollte doch
frei sein.
Wo ist der Schalter der es mir möglich macht sie aus
meinem Hirn zu verbannen?
Mein Hund tobt, schnüffelt und setzt überall seine
Marke. Ich könnte es ihm gleich tun, nur sehen
dürfte mich keiner. Ein lustiger Gedanke, innerlich
lachte ich, stellte mir vor wie es wohl aussieht
wenn ich schnüffelnd und tobend mein Geschäft in der
Öffentlichkeit verrichte.
Er jagt einen Vogel, niemals wird er ihn fangen und
doch versuchte er es jedes Mal mit großer Freude.
Soll ich es auch mal versuchen? Jetzt auch noch ein
Stock, schnell ins Maul, so kommt er angelaufen,
animiert mich zum spielen. Ob ich es auch mal
versuch, mit einem Stock im Mund und herumlaufen,
mich freuen? Blödsinn, wenn dich einer sieht, dann
biste für immer die Durchgeknallte.
Ein bunter Schmetterling begleitet uns ein Stück des
Weges, wunderschön und so anmutig, tanzt er um mich
herum. Ich spüre eine Leichtigkeit in meinen Beinen
und tanze den Weg entlang, gut dass mich keiner
sehen kann. Wieder lachte ich, tief in meinem
Inneren spürte ich eine Fröhlichkeit und schnell war
der Weg zu Ende.
Geh ich rechts oder links, ich muss mich
entscheiden. Der Hund geht rechts, gut dann folge
ich ihm. Ein schmaler Trampelpfad auf dem ich mich
bewege. Wo führt er uns hin, dieser Weg, noch nie
bin ich ihm gefolgt. Der Hund wedelt mit dem
Schwanz, seine Freunde, die Natur zu entdecken, sich
zu bewegen, toben wie er es möchte, macht mich
neidisch. Nicht mal mit dem Schwanz kann ich wedeln,
so ein Hund hat es gut. Ob Männer so etwas können? Laut hörte ich mich lachen, was für ein lustiger
Gedanke.
Der Weg gabelt sich und wieder muss ich
entscheiden, geh ich rechts oder gerade aus. Mein
Blick folgt dem Hund er geht rechts also folge ich
ihm. Leiten lassen, sich nicht entscheiden müssen,
wie ange-nehm.
Ein kleiner Bach zugewachsen mit Gräsern und Blumen
verläuft links vom Weg, leicht plätschert er vor
sich hin und singt eine leise Melodie. Ich stimme
ein und summe die Melodie der Natur.
Platsch macht es und der dumme Hund sitzt im Wasser.
Vor lachen konnte ich mich nicht mehr halten, voll
mit Gräsern und Schlamm versuchte er sich aus seiner
misslichen Lage zu befreien. Ich rette ihn und er
zeigt seine Dankbarkeit, schleckt mir durchs Gesicht
und springt an mir hoch. Super, jetzt sehe ich aus
wie meine Gemütslage, besudelt, nicht
öffentlichkeits- tauglich. Ach du kleiner Hund, ich
hab dich trotzdem lieb. Mein Herz geht auf wen ich
sehe wie glücklich er ist und das die kleinen Dinge
des Lebens ihn so fröhlich machen.
Der Weg neigt sich dem Ende zu, eine große Eiche,
mindestens an die hundert Jahre alt, groß und
imposant streckt sie ihre Äste in alle
Himmelsrichtungen, so steht sie da und zeigt mir die
Macht und Schönheit der Natur.
Eine Schaukel hängt an den uralten Ästen, ich hör
das Flüstern der Blätter und sie laden mich ein: "Komm schaukle"
Ich lief auf die Schaukel zu, setzte
mich und da saß ich, es passierte nichts. Meine
Beine, ich muss sie bewegten nach vorn und nach
hinten, der Oberkörper folgte dieser Bewegung nur so
bekam ich Schwung, immer und immer mehr, rauf und
runter, rauf und runter. Ich wollte nicht stehen
bleiben also gab ich mir selber Schwung und hörte
nicht auf meine Beine zu bewegen. Ich flog durch die
Luft, höher und höher, den Himmel berühren, es war
wunderbar. Ich war Glücklich und alle Sorgen flogen
davon.
Es war die Schaukel des Lebens, nur mit viel Schwung
bleibt sie in Bewegung. Ohne bleibt sie stehen,
still und regungslos.