Die „falschen“ Kleider !
Drei Freundinnen, vom Kindergarten an
verband sie eine tiefe Freundschaft.
Sie
teilten alles, ihr Spielzeug, ihre Kleidung
und als sie älter wurden ihre tiefsten
Wünsche und Geheimnisse.
Nach Ende der Schulzeit trennten sich ihre
Wege. Sie zogen in andere Städte, eine ging
nach Berlin um zu studieren, die andere ging nach
Bayern um dort eine Ausbildung zu beginnen
und die Dritte blieb in der Stadt in der sie
geboren und aufgewachsen waren um ihren
Traummann zu heiraten.
Einige Jahre sind ins Land gegangen, aber
niemals riss der Kontakt ab.
Sie telefonierten regelmäßig und einmal im
Jahr besuchten sie sich gegenseitig.
Dieses Jahr sollte das Treffen in ihrer
Heimatstadt sein und alle waren sehr
aufgeregt.
Jede überlegte, was zieh ich an, Kleid oder
Hose, elegant, schlicht oder sportlich.
Karin, sie hatte ihr Studium erfolgreich
beendet, war Ärztin aus Leidenschaft, sie
war nicht verheiratet, lebte aber mit einem Mann
seit einigen Jahren zusammen. Sie liebte
ihren Beruf und war sehr erfolgreich und
rundum glücklich und zufrieden.
Andrea, hatte in Bayern ihre Ausbildung zur
Reisekauffrau beendet, geheiratet und zwei
Kinder. Lebte aber getrennt von ihrem Mann,
der die Finger nicht von anderen Frauen
lassen konnte. Jeden Tag haderte sie mit
ihrem Schicksal.
Nadine, hatte ihre Ausbildung abgebrochen
nachdem das erste Kind unterwegs war,
inzwischen hatte sie drei, aber auch ihr
Traum vom großen Glück ging nicht so recht
in Erfüllung. Sie lebte noch mit ihrem
Traummann zusammen, aber jeden Tag gab es
Streit und oft dachte sie an Trennung, aber
der Kinder wegen blieb sie und harrte der
Dinge die noch kommen.
Sie verabredeten sich in einem kleinen Lokal
in der Vorstadt. Sie wollten sich wie jedes
Jahr mit einem ausgefallenen Outfit
überraschen.
Karin hatte nicht viel Zeit um sich für den
Abend heraus zu putzen, bis zuletzt hatte sie
noch Patienten behandelt, so schlüpfte sie
in ihre Jeans, Pulli und ein paar
Sportschuhe. Steckte ihren langen Haare
hoch, fühlte sich wohl, wichtig war nicht
die Kleidung, sondern die große Freude ihre
Freundinnen wieder zu sehen.
Nadine und Andrea waren gemeinsam einkaufen
und hatten sich für sehr elegante Kleider
entschieden, hatten sich besonders fein
gemacht. Kosmetik, Friseur, das ganze
Programm.
Der Tisch war vorbestellt und Nadine und
Andrea waren als Erstes da. Sie freuten sich
auf Karin und überlegten, was wird sie
tragen, bestimmt sehr elegant, sie ist
Ärztin und Geld hat sie wie Heu und von uns
Dreien hatte sie das beste Leben.
Karin stürzte ins Lokal, freudestrahlend
steuerte sie auf ihre Freundinnen zu. Die
schauten sich nur an, schüttelten mit dem
Kopf und tuschelten. Jeans und Pulli, mehr
sind wir der feinen Dame also nicht wert,
dachten die Beiden.
Karin berichtete von ihrem anstrengenden
Tag, entschuldigte sich für ihre Kleidung,
Hauptsache ich bin da und wir haben einen
schönen Abend.
Ja und dann passierte etwas, dieser Abend
sollte das Ende einer jahrelangen
Freundschaft werden.
Nadine und Andrea stichelten den ganzen
Abend.
Karin, dein Leben ist doch die Hölle, keine
Kinder, nicht verheiratet und schau dich an,
ungepflegt und in so einer Kleidung sich
unter die Leute zu wagen, schämst du dich
gar nicht. Den ganzen Tag arbeiten und nur
hinter dem Geld her, nein das ist doch kein
Leben! Kein Wunder wenn du unzufrieden und
verbittert bist.
Noch lachte Karin, hielt es für einen
Scherz. Doch die Beiden stichelten immer
weiter, bis Karin der Kragen platzte.
Ich bin glücklich, mein Beruf ist meine
Berufung, ich liebe meinen Freund und er
mich, wenn ihr beiden meint ich sei
verbittert, so seid ihr auf den Holzweg, ich
bin rund um zufrieden.
Dann sprang sie erbost auf:
"Jetzt reicht es
aber, schaut euch an, was ist aus euch
geworden!
So elegant und rausgeputzt, aber tief in
euch steckt nur Unzufriedenheit".
Tiefes Mitleid empfand sie für die
Beiden.
Traurig und verletzt verließ sie das Lokal.
Andrea und Nadine blieben sitzen, stichelten
weiter hinter dem Rücken von Karin und
versuchten sich ihr Leben schön zu reden,
rausgeputzt, aufgetakelt in ihren eleganten
Kleidern.
Dabei war ihnen eins entgangen, sie hatten
die „falschen“ Kleider gewählt.
Das Eine war aus Neid, das Andere aus
Missgunst gewebt.