Nasrem ist in Berlin geboren und aufgewachsen.
Mit ihr lebte ein älterer Bruder und Mama. Ihr
Vater ist vor zwei Jahren bei einem
Arbeitsunfall ums Leben gekommen. Ein weiter
Bruder lebte ganz in der Nähe, verheiratet zwei
Kinder.
Nach dem Tod ihres Vaters hatte sich viel
verändert. Mama hat ihr Kopftuch abgelegt und
sich gegen den Willen der Brüder gestellt. Auch Nasrem legte ihr Kopftuch ab, kleidete sich wie
alle jungen Frauen ihres Alters, Jeans und
Pulli. Ihre wunderschönen schwarzen Haare, lang
bis zum Po, verwandelte sie immer in kleine
Kunstwerke. Sie hatte erfolgreich ihre
Realschule beendet. Sie war im ersten
Ausbildungsjahr, Friseurin, für sie der
Traumberuf. Für eine junge Frau ging sie einem
ungewöhnlichen Hobby nach: Judo, den braunen
Gürtel hatte sie schon erworben, nun fehlte noch
der Schwarze.
17 Jahre und die Welt stand ihr offen.
Sie war unsterblich verliebt in ihren
Judotrainer, Bernd, 22 Jahre und ein Deutscher.
Nach dem Training ging die Gruppe oft gemeinsam
in die Kneipe um die Ecke, auf ein Bier. Diesmal
ging Nasrem mit, setzte sich neben ihren
Trainer, aber Bier mochte sie nicht und
bestellte sich einen Tee.
Bernd zeigte deutliches Interesse an ihr, hatte
nur Augen für sie und machte ihr Komplimente.
Ihr Herz schlug wie wild und sie wusste, das ist
der Mann den sie heiraten und mit dem sie Kinder
haben wollte. Er berührte ihre Hand und sie
fühlte so viel Wärme und Liebe wie noch nie
zuvor in ihrem Leben. Und Bernd, ihm ging es
nicht anders. Nasrem war eine Frau, wunderschön,
höfflich und sie liebte Judo so wie er auch, es
passte einfach alles.
Ihre Liebe wurde von Tag zu Tag stärker, sie
trafen sich heimlich. Monate sind vergangen,
Bernd nahm all seinen Mut zusammen und lud sie
zu sich nach Hause ein. Seine Eltern sind für
ein paar Tage verreist und sie könnten sich
einen netten Fernsehabend machen. Nasrem hatte
Bedenken und doch willigte sie ein.
Sie liebten sich und es war ihr so bewusst wie
nie zuvor in ihrem Leben, es gibt kein zurück
mehr. Als „nicht Jungfrau“ würde sie keinen
Türken mehr heiraten können ohne die Ehre der
Familie zu beschmutzen.
Spät am Abend kam sie nach Hause, beide Brüder
und Mama warteten schon auf sie.
Einer der Brüder griff ihr ins Haar und schrie
sie an wo sie sich rumgetrieben habe. Mama
versuchte sie zu beschützen doch der andere
Bruder hielt sie zurück und drehte ihr den Arm
auf den Rücken.
Nasrem wurde trotzig und schrie ihn an: "Lass
Mama los, außerdem hab ich mich verliebt und ihr
könnt mich nicht abhalten ihn zu heiraten". "Wer
ist das Schwein?" schrie ihr Bruder und Nasrem
sagte es ist Bernd mein Trainer und sie sei
auch keine Jungfrau mehr und niemand aber auch
niemand würde sie dran hindern mit ihm ihr
weiters Leben zu verbringen.
Ihr Bruder zerrte
sie an den Haaren ins Bad und schnitt ihr die
wunderschönen langen Haare ab. Nahm ihr das
Handy und den Haustürschlüssel ab und schloss
sie in ihrem Zimmer ein. Er ging zu seinem
Bruder und seiner Mutter. Er drohte seiner
Mutter mit dem Tod wenn sie es wagen sollte Nasrem aus dem Zimmer zu lassen. Dann flüsterte
er seinem Bruder etwas ins Ohr und beide
verließen gemeinsam die Wohnung.
Vor dem Haus von Bernds Eltern legen sie sich
auf die Lauer, in der Hoffnung dass er es
verlässt.
Bernd wollte sich noch Zigaretten holen. Er
träumte immer noch von seiner Nasrem und wie
wunderschön der Abend mit ihr war.
Als er die
Haustür öffnet trifft ihn der Angriff völlig
unerwartet, er spürt einen starken Schmerz im
rechten Arm, fühlt wie warmes Blut an ihm
herunter läuft. Plötzlich ist er hell wach und
setzt seine Judokenntnisse ein, so erlangt er
schnell überhand und kann seine Angreifer
vertreiben. Seine Verletzung ist sehr
schmerzhaft, bei genauer Betrachtung sieht er
einen langen Schnitt an seinem Arm. Die
Verletzung stammt von einem Messer und er
erkennt dass sie sofort im Krankenhaus behandelt
werden muss.
Mit zehn Stichen wurde sie genäht.
Ihm wurde nahe gelegt eine Anzeige zu erstatten.
Bernd hatte die Angreifer nicht erkannt, aber
eine dunkele Ahnung beschlich ihn. Sofort
versuchte er Nasrem per Handy zu erreichen, es
war abgeschaltet. Hilflos stand er da, was
sollte er tun? Seine Angst um sie wuchs ins
Unermessliche. Morgen früh erstatte ich Anzeige,
war sein Gedanke dann ging er nach Hause. In
dieser Nacht konnte er nicht schlafen; immer und
immer wieder waren seine Gedanken bei Nasrem.
Nasrem saß in ihrem Zimmer, sie weinte, ein
Griff in den abgeschnittenen Haarschopf, ihr
wurde schlecht vor Wut und Hilflosigkeit.
Sie hörte die Haustür. "Sie kommen zurück", war ihr
Gedanke, "aber ich setzt mich zur Wehr, ich kann
Judo", und schon öffnete sich die Tür zu ihrem
Zimmer. Einer ihrer Brüder warf das blutige
Messer aufs Bett und sagte: "Das Schwein haben
wir abgestochen".
In ihr starb jedes Gefühl, wie
in Trance starrte sie das Messer an. Es hatte
keinen Sinn mehr sich zu wehren, Bernd war tot.
Ein Strick flog aufs Bett und ihr anderer Bruder
sagte: "Du weißt was zu tun ist"!
Am nächsten Morgen, Bernd hatte so gut wie kein
Auge zugemacht, wie gerädert ging er in die
Küche, schaltete das Radio ein:
Wieder ein Selbstmord in Berlin!
Eine junge Türkin, Nasrem A. hat sich am
gestrigen Abend auf den Boden eines
Mehrfamilienhauses erhängt. Die genauen Umstände
für den Selbstmord sind der Polizei noch nicht
bekannt. Die begeisterte Judosportlerin hat
keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Ihre Mutter
erlitt einen Nervenzusammenbruch. Die Brüder der
jungen Frau standen unter Schock und konnten
noch keine Angaben zu dem Fall machen.
Das Wetter, heiter bis wolkig, am……..
Bernd hatte Tränen in den Augen, ging zum
Waffenschrank, nahm das Jagdgewehr seines
Vaters, hielt den Lauf in seinen Mund und
drückte ab.