Es fing an wie alle großen Liebesgeschichten.
Iris lernte ihren Muhamet in eine Disko kennen.
Am Anfang war es nur ein Flirt. Sie trafen sich
regelmäßig und aus einem Flirt wurde die Liebe
ihres Lebens.
Seine Eltern und Geschwister lebten in der
Türkei, nur ein kleiner Teil seiner
Verwandtschaft lebte in Deutschland.
Von Seiten ihrer Eltern gab es keine Bedenken
und auch seine hier lebenden Verwandten hatten
keine Einwände gegen diese Beziehung.
Sie flogen gemeinsam in die Türkei und seine
Eltern nahmen sie sehr herzlich auf.
Muhamet beendet in Deutschland seine Ausbildung,
arbeitete in seinem Beruf und auch Iris ging
einer Tätigkeit nach.
Sie heirateten und schon bald kam das erste
Kind.
Sie lebten sehr bescheiden, jeder Pfennig wurde
auf die Seite gelegt. Ihr großer Traum: In der
Türkei leben, ein kleines Haus erwerben und ein
Cafe eröffnen.
Die Eltern von Iris unterstützten sie in jeder
Beziehung, hatten sie ihren Schwiegersohn doch
schätzen und lieben gelernt. Immer freundlich,
sehr aufmerksam, ein liebevoller, fürsorglicher
Vater und Ehemann.
Endlich war das Geld zusammen. Ihrem Traum stand
nichts mehr im Weg. Muhamet flog allein in die
Türkei um alles zu regeln. Er kaufte das Haus,
suchte ein passendes Cafe.
Als alles so weit fertig war, „das Nest“ wie er
es so schön ausdrückte, holte er Iris und das
Kind nach.
Ein Traum sollte in Erfüllung gehen, doch es kam
ganz anders.
Er veränderte sich, wenn er nicht arbeitete war mit Freunden unterwegs, selten war er zu
hause.
Iris sollte wenn möglich das Haus nicht mehr
allein verlassen, nur in Begleitung der
Schwiegermutter oder einer Schwägerin.
"Ich weiß wie schwer es für dich ist. Bitte
versteh doch, du bringst Schande über die
Familie, wenn du dich nicht anpasst. Nur so
können wir hier mit Anstand und Würde leben.
Ich liebe dich und will doch nur das Beste für
uns", so versuchte Muhamet sie zu trösten.
Aber sie konnte sich nicht anpassen, sie war
einsam und das Leben in der Türkei hatte sie
sich anders vorgestellt. Ihre Traurigkeit
spiegelte sich in ihrem Verhalten wieder. Sie
sprach kaum noch ein Wort und das Lachen hatte
sie verlernt. Die ganze Familie litt darunter.
Alle Anstrengungen sie glücklich zu machen
scheiterten. Muhamet wusste sich keinen Rat mehr
und schickte sie und das Kind nach Deutschland
zurück.
Niemand glaubte dran das die beiden wieder
zueinander finden. Selbst in Iris kamen
Zweifel, das er je wieder zu ihr nach
Deutschland kommt ..
Es verging ein halbes Jahr. Sie telefonierten
regelmäßig. Doch Iris hatte ein ungutes Gefühl.
Muhamet sagte immer seltener das er kommt. Immer
fand er Ausreden. Im Cafe sei sehr viel zu tun
und einen vernünftigen Preis hat noch keiner
geboten, er könne es nur mit großen Verlusten
verkaufen. Dafür haben wir zu lange gespart, war
sein Argument. Ja dachte sie, er hat recht.
Ich könnte ihn ja überraschen war ihre
Überlegung. Eine Woche später buchte sie einen
Flug, Ohne Kind nur er und sie, wie früher.
In der Türkei angekommen, nahm sie ein Taxi und
fuhr zu ihrem Haus. Muhamet war nicht zu hause.
Das Haus sah noch genauso aus wie damals als sie
es verlassen hatte. Wehmut kam hoch. Wohnzimmer
und Küche müssten mal wieder aufgeräumt werden.
"Na ja, ist halt ein Mann", dachte sie. Sie
schleppte den Koffer ins Schlafzimmer. Es roch
streng nach süßlichem Parfüm. Ein Schauer
durchzog ihren ganzen Körper. Im Bad fand sie
Hygieneartikel, die sicher kein Mann benutz!
"Es
gibt eine Erklärung", versuchte sie sich zu
beruhigen, bestimmt gibt es eine. Sie duschte,
ging runter ins Wohnzimmer und wartete auf ihn.
Es war weit nach Mitternacht, als sie die Tür
hörte. Ihr Herz schlug vor Freude bis zum Hals.
Still saß sie da, kein Licht. Diese Überraschung
wird mir gelingen, freute sie sich.
Sie hörte ein helles Lachen. Das Lachen einer
Frau.... und seine Stimme. Wie versteinert, kaum in
der Lage zu atmen, so saß sie da, Angst kroch in
ihr hoch.
Als die Tür aufflog und sich der Raum erhellte,
stand er da, mit einer ihr fremden Frau im Arm.
Der Fremden war es sichtlich peinlich, sie
flüsterte ihm etwas auf türkisch ins Ohr und
verschwand.
"Wie kannst du mir so etwas antun?" frage Iris und
weinte.
Er war eiskalt. "Was kommst du auch ohne dich
anzumelden, ich bin auch nur ein Mann. Was hast
du erwarte, das ich lebe wie ein Mönch? Du bist
an allem Schuld, du wollest dich nicht anpassen,
du bist nach Deutschland zurückgegangen".
Ohne ein weiteres Wort ging er zu Bett.
Am nächsten Morgen packte sie ihre Koffer. Sie
hatte mit dem Airport telefoniert und einen
sofortigen Rückflug gebucht. Er versuchte sie
nicht zurückzuhalten, brachte sie zum
Flughafen und verabschiedete sich sehr kalt und
herzlos von ihr.
In Deutschland reichte sie die Scheidung ein.
Er lenkte plötzlich ein. "Ich liebe nur dich,
komm zurück, es tut mir leid bitte, ich kann
ohne dich nicht leben".
Sie hörte nicht auf sein Jammern, zu sehr hatte er sie verletzt. Und
Vertrauen, so einem Mann... niemals im Leben mehr!
Sie hatte alles verloren, ihr Herz, ihr Geld und
ihre Träume !