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randgruppenkind 

Wie fängt man denn so etwas am Besten an. Am Anfang? Ja, nur wo war der bei uns nur…?

Meine beste Freundin Melly und ich wollten in Urlaub fahren. Das war lange geplant und das Reiseziel stand auch relativ schnell fest. Türkei. Günstig, Sonne, kurz um, gut.

Die Vorfreude war riesig. Es war meine erste Reise in die Türkei und ich wurde von allen Seiten gewarnt. „Komm mir ja nicht mit einem Ehemann nach Hause“, „Die wollen da alle nur poppen“, „Du wirst da bestimmt mit jemandem etwas anfangen“, usw.
Ich habe nur den Kopf geschüttelt. Ich wollte Urlaub, Entspannung, ein paar schöne Tage. An Männer wollte ich eigentlich keinerlei Gedanken verschwenden.

Für 2 Wochen fuhren wir in ein 5 Sterne Hotel in Kumköy. Es war wundervoll und wir beide waren hell auf begeistert. Mel lernte, ganz ihre Art, natürlich schon am ersten Abend jemanden kennen. Er war Animateur in unserem Hotel und bot uns an, uns am Abend ein paar Diskotheken zu zeigen. Wir willigten ein, denn bei dem Gedanken, alleine abends durch die Stadt zu laufen, war uns nicht ganz wohl.
Wir verabredeten uns nach seiner Schicht vor dem Hotel. Er kam und brachte noch ein paar andere Hotelangestellte mit. Wir gingen in eine kleine, gemütliche Bar in Kumköy und hatten wirklich Spaß. Wir unterhielten uns und sie versuchten uns, relativ erfolgreich, ein paar türkische Wörter beizubringen.

Gegen 2 Uhr stieß noch ein Mann zu uns. Zuerst dachte ich an einen Hotelgast. Rötliches Haar, braune Augen, groß, gut gebaut. Er begrüßte alle reihum und nach ein paar Minuten erzählte uns der Animateur, den wir kenne gelernt hatten, er sei Barkeeper in unserem Hotel. Barkeeper, schoss es mir durch den Kopf. So sieht also ein potenzieller Casanova aus. Nun gut. Mir war es egal.

Der Alkohol floss, muss man leider so sagen. Und irgendwann griff dieser Animateur nach meiner Hand und blickte mir tief in die Augen. Schnell entzog ich ihm meine Hand und schaute ihn nur entsetzt an. Was sollte das… Danach ignorierte er mich weitgehend und wechselte seinen Platz. Er setzte sich zu Mel und sie hatten.. nun ja, recht viel Spaß. Der Barkeeper, nenne wir ihn mal Ibo, verwickelte mich in ein Gespräch. Wo ich herkäme, dass ich süß wäre etc. Er erzählte mir, er sei 24 und gebürtiger Mazedonier. Daher also das europäische Aussehen. Ich muss sagen, ich fand ihn wirklich interessant. Er schien Intelligenz zu besitzen, gute Umgangsformen, nicht aufdringlich. Dachte ich. Die Zeit schritt voran und irgendwann zog er mich zu sich und küsste mich. Heute weiß ich nicht mehr, warum ich mir das habe gefallen lassen, es war nicht meine Art. Einen fremden Mann zu küssen.

Der Abend ging seinem Ende zu. Wir gingen zurück zum Hotel und ich verabschiedete mich auch von Ibo. Er fragte, ob wir noch etwas zusammen machen wollten, aber ich verneinte und er zog von dannen.

Im Hotelzimmer wirbelten mir die Gedanken durch den Kopf. Mein Herz raste seltsamerweise. Gut, ich fand ihn interessant. Sehr interessant. Und naiv wie ich war, glaubte ich bei ihm an dieselben Gefühle.

Am nächsten Abend wartete ich mit den anderen in der Bar sehnsüchtig auf ihn. Und da kam er auch schon. Er begrüßte alle und gab mir die Hand. Dann setzte er sich an das Kopfende des Tisches und unterhielt sich mit einer Frau, die ebenfalls Gast in unserem Hotel war. Ich fiel fast vom Glauben ab. Was sollte das jetzt? Ich durchbohrte ihn mit meinen Blicken, aber er wich ihnen geschickt aus. Ich konzentrierte mich auf einen anderen Gesprächspartner und als ich das nächste mal hoch schaute, war er verschwunden. Inklusive der Frau. „So viel dazu“, dachte ich. Ticken die Männer hier wirklich so. Weil ich mich nicht ins Bett ziehen lasse, sucht er sich eine andere. Sehr sympathisch.
Trotzdem war ich verletzt. Aus Stolz? Oder weil ich, obwohl ich ihn nicht einmal richtig kannte, wirklich gut fand? Aber ich musste das vergessen. Obwohl ich ihm liebend gerne meine Meinung gesagt hätte. Am Abend darauf saßen Mel und ich an der Bar. Er hatte Schicht und lächelte mich an. Ich blickte ihn eiskalt an. Irgendwann stand ein Cocktail mit angezündeten Wunderkerzen vor mir. Ich schaute ihn an und er sagte: „Für dich, sorry. Ich habe mich Scheisse benommen. Wegen gestern Abend.. weißt du..“ Ich nickte und dachte: „Wie kitschig!“ „Verzeihst du mir?“ Was wollte der Typ bloß. Er kannte mich doch nicht mal. Und anscheinend war ich ihm doch auch recht egal. Aber ich nickte.

An diesem Abend gingen wir in eine andere Bar und er tauchte auch nicht auf. Am nächsten Tag erzählte mir eine Frau, die wir dort kennen gelernt hatten und in mein Gefühlschaos eingeweiht, dass Ibo gestern Abend mit einer blonden Frau in einer Bar gesessen hätte. Da war es für mich vorbei. Ich war wütend. Am Liebsten hätte ich ihm etwas um die Ohren gehauen. Ich würdigte ihn keines Blickes mehr und irgendwann rief er Melly zu sich. Sie erzählte mir, dass mit dieser Frau nichts gelaufen sei. Sie hätte zwar gewollt, aber er hätte abgeblockt. Ich wollte ihr kein Wort glauben. Sie sagte mir, er würde sich für mich interessieren und mich gerne näher kennen lernen. Einen letzten Versuch wollte ich noch starten. Warum, weiß der Geier. Niemals wäre ich einem Typen so lange hinterher gerannt.

Wir gingen wieder in die Bar und als er kam, zog er mich wortlos mit sich, an einen Tisch für 2 Personen, weit weg von den anderen.
Als er mich fragte, ob ich sauer sei, erntete er nur einen wütenden Blick. Dann sagte er mir: “Ich habe noch nie eine Frau kennen gelernt wie du. Ich habe 3x falsch gemacht. Trotzdem sitzt du hier. Warum?“ Das konnte ich ihm auch nicht beantworten. Dann zog er sein Handy hervor und zeigte mir eine SMS von der Frau, mit der er sich getroffen hatte: „Ok Ibo. Dann wünsch ich dir alles gute mit Jenny. Schade!“ Ich blickte ihn fragend an und er erklärte mir, er hätte ihr gesagt, er würde sich mit mir treffen wollen. Und das er kein Interesse an ihr hat. Als ich nach dem Warum fragte sagte er nur: „Ich weiß es nicht. Aber ich will dich kennen lernen. Du hast mich fasziniert. Schon am Ersten Abend… du hast viel Herz. Aber du wolltest nicht mit mir alleine weggehen. Deswegen ich habe eine andere Frau angesprochen. Das war falsch, ich weiß!“

Den Rest des Abend unterhielten wir uns und zum Schluss küssten wir uns. Den Rest des Urlaubs verbrachte ich fast nur mit ihm. Er zeigte mir Side, die Geschäfte. Sein Leben. Er erzählte viel und ich hörte zu. Ebenso umgekehrt.

Als mein Abreisetag vor der Tür stand und wir uns verabschiedeten sagte er: „Versprich mir, komm wieder..“ Ich versprach es ihm. Er sagte mir, er würde mich lieben. Was ich damals aber weder erwidern noch recht glauben konnte. 2 Wochen und dann gleich Liebe? Wohl kaum.

3 Wochen nach dem wir wieder in Deutschland waren buchten wir sofort wieder. Wir waren im März dort und buchten für den Juli. Ibo und ich chatteten jede Nacht per Webcam. Führten teils sehr tiefgehende Gespräche. Auch über unsere Situation. Andere Frauen und Männer. Ich lernte ihn besser kennen und er mich. Er ging kaum noch auf Partys. Ebenso wie ich. Wir lebten für die paar Stunden am Abend die wir uns per Cam sehen konnten. Wir telefonierten, es verging kein Tag ohne SMS und ich zählte die Tage. Ich war mir meiner Gefühle nicht sicher. Denn die Außenwelt machte mir keinen Mut. Er hätte sowieso noch andere Frauen, ich solle mir da nichts einbilden etc.

Aber irgendwann kam Tag X. Wir flogen wieder. Wir kamen am Nachmittag an und ich verabredete mich für den Abend, er hatte sich frei genommen um mich zu sehen, mit ihm. Als er um die Ecke bog, dachte ich, mein Herz würde augenblicklich aussetzen. Ihm erschien es da nicht anders zu gehen. Ungefähr 15 Minuten hielten wir uns im Arm und konnten es beide nur schwer realisieren. Wir redeten und redeten, küssten uns und versuchten jede Minute auszukosten.

Am nächsten Tag musste er wieder an der Bar arbeiten. Da sein Chef verständlicherweise keine Beziehungen zwischen Angestellten und Gästen tolerierte, mussten wir uns sehr zurück halten. Aber das klappte nur mit mäßigem Erfolg. Seinen Freunden und Kollegen hatte er erzählt, dass ich seine Freundin bin. Ich wurde behandelt wie die Prinzessin auf der Erbse. Auch anderen Gästen erzählte er ganz glücklich, dass ich seine Freundin wäre, wenn er darauf angesprochen wurde. Die Gäste belächelten uns aber das war uns ziemlich egal. An unsere Beziehung glaubte dort niemand. Eines Abends bat ein Mädchen um ein Foto mit ihm und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte mit ihr wegzugehen. Er stand hinter der Bar und blickte mich an. Ich saß direkt neben ihr. Dann fragte er in einer Lautstärke, die mir fast schon peinlich war: „Ist das ok für dich Schatz?“ Die Gäste grinsten und ich wurde rot. „Das Foto ja aber fürs trinken musst du dir leider jemand anderen suchen.“ War meine Antwort an sie. Empört stand sie auf. Das Foto hatte sich erledigt.

Ich verbrachte die glücklichsten Wochen meines Lebens und hatte endlich das Gefühl, ihn wirklich kenne zu lernen. Seine Denkweise. Seine Art. Er würde mich nicht betrügen. Nennt es naiv.. nennt es mangelnde Erfahrung. Aber mein Kopf und Bauch sendeten eindeutige Signale.

Am vorletzten Abend stellte er mich seinem Bruder und dessen Freundin vor. Sie waren zu Besuch nach Kumköy gefahren. Ich wurde herzlich aufgenommen und sein Bruder nahm mir das Versprechen ab, auch die ganze Familie bald einmal zu besuchen.

Am letzten Abend schliefen wir miteinander. Es hatte etwas an sich, von dem Versuch, einander nie wieder los zu lassen. Einfach nur hier. Zusammen. Glücklich. Aber wir beide wussten, dass das zu dem damaligen Zeitpunkt einfach nicht möglich war. Der Abschied war viel schwerer als das letzte Mal. Sein Cousin, sein Bruder, sein bester Freund… alle standen Spalier um mich zu verabschieden. Meine sonst so selbstbewusste Art war einfach weg und ich heulte wie ein Schlosshund. Auch er konnte sich ein paar Tränen nicht verkneifen. Was ihm gegenüber seinen Kumpels doch ein wenig unangenehm war ;)

Wir sind zusammen und immer noch so glücklich wie am Ersten Tag. Wenn er weggeht, fragt er mich ob es in Ordnung für mich sei, oder ob ich lieber möchte, dass wir uns per Cam sehen. Umgekehrt das Gleiche. Wir haben bis zum jetzigen Zeitpunkt einige Höhen und Tiefen hinter uns. In Bezug auf Eifersucht etc. Ich weiß das er eine Menge Frauen vor mir hatte. Er war ein typischer Barkeeper, jede Woche eine andere. All das hat er mir erzählt. Und ich muss mir immer noch anhören „Du hast einen Casanova gezähmt!“

Mittlerweile führen wir eine ‚fast’ normale Beziehung. Wir waren zusammen im Urlaub, ich habe seine Familie kennen gelernt und er meine. Irgendwann wollen wir heiraten, aber das hat noch Zeit. Er hat mir nie wieder einen Grund gegeben ihm zu misstrauen. Und entweder ist er ein großartiger Lügner oder er liebt mich wirklich? Soll es ja geben. Wenn ich ihn brauche ist er da. Wenn ich traurig bin, tröstet er mich. Wenn ich glücklich bin, freut er sich mit mir. Unsere Kulturen sind unterschiedlich aber wir haben Mittel und Wege gefunden, die es uns möglich machen, glücklich miteinander zu sein.

Selbst nach dieser Geschichte werden Leute versuchen wollen, mir zu unterstellen, er meine es nicht ernst. Aber ich denke, man kann keinen Menschen beurteilen, den man nicht kennt. Seine Persönlichkeit zu beschreiben, seine Denkweise, das kann ich nicht. Ihn so zu beschreiben, dass ihr ein Bild davon habt, wie er tickt, ist so gut wie unmöglich. Aber ich habe mittlerweile auch keine Lust mehr, mich rechtfertigen zu müssen.

Es gibt mehr schwarze Schafe als Ausnahmen. Das erlebe ich jedes mal wieder.

Also ich bitte euch alle, seid vorsichtig. Ihr müsst nicht hinter jedem Satz eine Lüge vermuten aber betrachtet alles kritisch und distanziert. Lasst euch nicht einlullen von schönen Worten. Selbst wenn er euch seinen Freunden vorstellt, hat das meistens noch nichts zu sagen.

Aber ich hoffe, ich kann mit meiner Geschichte auch all denjenigen etwas Mut geben, die jetzt am Anfang einer Beziehung stehen und genauso wie ich damals, gehofft haben, dass alles gut wird. Ich wünsche euch allen alles Gute!

 Ich liebe meinen Mann und auch wenn es manchmal bedeutet, ich gegen den Rest der Welt.

Das ist okay.

Denn es ist mein Leben!