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nine_6
Als ich das erste Mal mit 12 Jahren in der Türkei war
wollte ich nie wieder hin. Als blondes Mädchen hatte man
es nicht so leicht, jeder quatschte mich und meine
Eltern an – damit konnte ich gar nicht umgehen. Zum
Glück war wenigstens das Hotel sehr schön und es waren
viele in meinem Alter da, so dass ich es doch noch schön
fand. Da meine Eltern das Hotel ganz toll fanden, sind
wir jedes Jahr wieder dahin gefahren.
Bereits im ersten Jahr ist uns im Speisesaal
aufgefallen, dass es im Hotel eine Fußballmannschaft
gibt und als wir dann auch noch in Manavgat ein Foto von
denen in der Zeitung fanden, war unser Interesse
geweckt. Meine ganze Familie liebt Fußball müsst ihr
wissen, so dass es am Anfang nur um den Sport ging nicht
um die Jungs. Aber alles ändert sich…
Drei Jahre später, mittlerweile kannten wir alle
Spieler, wollte E. plötzlich mit mir zusammen sein. Ich
wollte aber nichts von ihm. Schon über die Jahre hatte
ich die Mädchen kommen und gehen sehen und ich wusste,
dass er auch ohne Englisch oder Deutsch zu sprechen,
durch seinen Charme die eine oder andere Freundin gehabt
hatte. Er ließ nicht locker. Über ein halbes Jahr
schrieb er mir ständig SMS und rief mich an. Im Februar
heiratet meine Freundin (Türkin), die er auch kannte.
Natürlich war er auch bei der Hochzeit. Wir haben
getanzt und richtig Spaß gehabt. Im April war ich mir
dann sicher – ich hatte mich verliebt.
Also kamen wir zusammen. Es war so schön, immer wenn ich
da war hat er sich abends in mein Zimmer geschlichen und
ist auch erst am Morgen wieder gegangen, obwohl das
streng verboten war. Solange ich dort war, war meist
alles gut. In Deutschland bekam ich hingegen öfters SMS,
ich würde doch sowieso fremd gehen usw. … Als ich
meinen 17. Geburtstag in der Türkei feierte, bekam ich
von ihm ein riesiges Herz auf dem stand: „ Seni
seviyorum“ – ach war das schön. Sogar seine Eltern haben
angerufen, um mir zu gratulieren, obwohl ich sie noch
nie persönlich kennengelernt hatte.
In diesem Urlaub gestand er mir, dass er als ich nicht
da war etwas mit einer anderen Frau hatte, er
versicherte mir aber auch, es sei nur Sex gewesen und er
liebe nur mich. Ich habe ihm verziehen und es geglaubt.
In der 11. Klasse wollte ich dann ein Jahr ins Ausland
gehen, natürlich in die Türkei. Aber meine Eltern habe
es mir nicht erlaubt- sie kannten ihre Tochter wohl sehr
gut und wussten, dass ich wohl nicht wieder gekommen
wäre. Ich wollte ja diesen Mann und ich hätte alles für
ihn gemacht. Jedoch wurde seine Eifersucht immer
schlimmer, auch wenn ich dort war, schrieb er mir
ständig SMS wo ich sei. Alleine mit einer Freundin nach
Side gehen, das ging gar nicht, er musste immer mit.
Anfangs fand ich das toll, er war bekannt wie ein bunter
Hund und wir mussten ständig stehen bleiben, weil er
einen Bekannten traf. Er stellte mich als seine
zukünftige Frau vor, was mich natürlich sehr stolz
gemacht hat. Mittlerweile waren wir sogar verlobt,
hatten uns Ringe gekauft. Die Freundin (sie arbeitete
auch in dem Hotel), bei deren Hochzeit wir uns zum
ersten Mal näher gekommen waren, kontrollierte immer ob
er seinen Ring auch trug, auch wenn ich nicht da war,
ich war zufrieden. Doch mit der Zeit wurde seine
Eifersucht unerträglich. Fast täglich unterstellte er
mir ich hätte mit anderen Jungs in Deutschland Sex. Wenn
ich ihm sagte ich sei zu einer Party, kontrollierte er
wann ich wieder Zuhause war, in dem er ständig anrief.
Das war zu viel.
Nach 2 ½ Jahren beendete ich die Beziehung. Aber damit
war es noch nicht vorbei, eigentlich wurde es dann erst
richtig lustig. Er meldete sich natürlich immer noch bei
mir und wir waren ja auch weiterhin Gäste in dem Hotel.
Es war mal wieder April und wir in der Türkei. Am
zweiten Urlaubstag, Bekannte von uns und meine Mutsch
saßen an der Pool Bar, da kam ein Kellner zu uns an den
Tisch und fragte, ob ich mal bitte ans Telefon (Bartelefon)
kommen könne. Ich ging mit ihm mit. Als ich den Hörer
ans Ohr nahm und „Ja bitte“ sagte, stellte sich die
Person in der Leitung vor. „Hallo ich bin H, die
Verlobte von E. und würde dich gerne mal kennen lernen.
Der E. erzählt soviel von dir.“ Erst wusste ich gar
nicht was ich sagen sollte, dann habe ich gefragt, wo
wir uns denn treffen wollen – meine Neugier hatte
gesiegt. Sie erzählte mir, dass sie an der Rezeption
arbeitet und dass ich doch in einer halben Stunde vor
kommen könnte.
Ok gesagt, getan. Eins noch vorne weg: über Silvester
waren wir auch unten und da hatte ich noch einmal was
mit E. Ich war damals bereit es noch einmal mit ihm zu
versuchen, aber er sagte zu mir, dass er jemanden
kennengelernt hätte und sich nicht sicher sei. Gemeldet
hat er sich trotzdem weiterhin.
So jetzt weiter.
Ich bin zur Rezeption hoch und da kam sie auch schon.
Wir haben uns dann hingesetzt und erzählt. Sie meinte
wieder: „Ja der E. erzählt soviel von dir und dass du so
gut Türkisch sprichst und auch oft hier bist bla bla bla“.
Dann zeigte sie mir stolz ihren Verlobungsring.
Daraufhin wollte ich wissen seit wann die beiden verlobt
seien. „Seit vergangen November“ war ihre Antwort. Da
musste ich innerlich grinsen. Diese Frau hatte er also
auch schon betrogen, zumindest mit mir. Und anscheinend
hatte sie Angst, dass E. wieder was mit mir anfängt,
oder warum ruft sie mich zu sich?! Zur Verabschiedung
machte sie jedoch einen großen Fehler ;-) Sie fragte
mich, ob ich denn am nächsten Tag auch mit nach Konya
zum Aufstiegsspiel fahren würde, ich könne ja mit dem
Hotelbus mitfahren. Klar wollte ich dahin. Um alles
genau zu klären, sollte ich am Nachmittag noch mal zur
Rezeption kommen. Als ich am Nachmittag dahin kam,
meinte sie „ ach es tut mir schrecklich leid, aber Gäste
dürfen da nicht mitfahren und da kannst du nicht
mitkommen usw.“ . „Ist schon ok“ war meine Antwort, mit
einem innerlichen Lächeln. In dem Moment wusste ich –
ich muss nach Konya!
Und ich hatte das Glück auf meiner Seite. Denn kurz nach
dem Gespräch bin ich mit einer Freundin in ein anderes
Hotel gefahren, um Freunde von ihr zu besuchen. Im Taxi
kamen wir mit dem Taxifahrer ins Gespräch – er erzählte
uns, dass sein Sohn auch bei dieser Mannschaft spielt
und fragte ob ich ihn kenne. Natürlich kannte ich ihn,
ebenso wie seinen älteren Bruder, der auch im Hotel
arbeitete. Der Taxifahrer versprach mir sich darum zu
kümmern, dass ich und meine Freundin mit zum Spiel
fahren könnten. Als wir zurück zum Hotel kamen, stand er
auch draußen und sagte, dass das klar ginge. Am nächsten
Morgen 9 Uhr war Abfahrt – mit uns- im Hotelbus ;-). Bei
der ersten Rast hat uns H. dann gesehen, aber immer weg
geschaut und mit ihrem Kollegen getuschelt. Beim zweiten
Stopp sind wir uns dann auf der Toilette begegnet, sie
hat mir ganz stolz ihr Geburtstagsgeschenk, welches sie
vorzeitig von E. bekommen hatte, präsentiert. Ich war
natürlich ganz freundlich zu ihr…
Der Tag war wirklich schön, die Stadt zu sehen und das
Spiel – es hat sich gelohnt. Zwei Tage später würde das
nächste Spiel sein und ich wusste – da muss ich hin.
Also habe ich mir zum Schrecken meiner Eltern ein Auto
geliehen, dazu muss man ja in der Türkei zum Glück keine
21 sein, und bin mit einem Kumpel und einer Freundin
nach Konya gefahren. Den Weg kannte ich, der Platz war
auch nicht schwer zu finden – nur fand das Spiel an
diesem Tag auf einem anderen Platz statt. Und Konya ist
ziemlich groß. Aber auch hier hatte ich wieder Glück.
Wir standen da etwas ratlos auf dem Parkplatz herum, als
eine Frau auf uns zukam. Sie fragte auf Deutsch ob wir
auch zu der Mannschaft zum Spiel wollten. Wir haben uns
dann unterhalten und sie hat uns erzählt, dass ihr Sohn
bei dieser Mannschaft spielt. Wie sich herausstellte war
das die Frau von dem Taxifahrer der uns zwei Tage zuvor
geholfen hatte. Alle zusammen haben wir uns dann ins
Auto gesetzt und sind halb Konya abgefahren, um den
Sportplatz zu finden. Zwar war die erste Halbzeit schon
fast vorbei, aber wir waren endlich da. E. hat ganz
schön doof geschaut, als er mich sah. Das schien ihm
nicht so gefallen zu haben. Leider haben sie dieses
Spiel verloren und haben somit den Aufstieg nicht
geschafft. Meine Eltern waren heilfroh als wir gesund
und munter am Abend wieder im Hotel ankamen.
Es hat nicht lange gedauert, da habe ich gehört, dass H.
und E. nicht mehr zusammen sind. Meine türkische
Freundin hat übrigens die ganze Zeit zu mir gehalten und
nach dieser Aktion auch keinen Kontakt mehr zu E.
gehabt. Wie ihr euch sicher denken könnt, dauerte es
nicht lange und ich bekam wieder SMS von E, der auch
wenn er jetzt in einer anderen Mannschaft spielte, genau
wusste, wann ich Türkischen Boden betrat.
Mittlerweile sind viele Jahre vergangen, ich bin seit 5
Jahren mit meinem deutschen Freund zusammen und jetzt
auch froh darüber, dass die Dinge so gelaufen sind. Das
Ganze hatte auch etwas Gutes, die Familie des
Taxifahrers gehört mittlerweile zu meinen liebsten
Freunden.
Hoffentlich war das jetzt nicht zu unverständlich! Liebe
Grüße
Nine |