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Arielle 

Vorab möchte ich die Vorgeschichte erzählen.

Seit 1993 habe ich regelmäßig in Alanya (fast immer im gleichen Hotel) Urlaub gemacht. Anfangs mit meinem (damals noch Ehemann), meinen beiden Töchtern oder aber dann später auch alleine.
Zwischen der Hotelbesitzerfamilie und mir, bzw. meiner Familie, hat sich im Laufe der Zeit eine sehr gute Freundschaft entwickelt. Alanya hat sich für mich persönlich zu einem „Zufluchtsort“ entwickelt, denn immer wenn ich das Gefühl hatte, über mein Leben nachdenken zu müssen, bin ich dorthin „geflohen“. So auch im Jahr 2004, wo ich mich geistig auf die Trennung von meinem, jetzt Ex-Mann, vorbereitet hatte.
Es kann sich also jeder vorstellen, dass ich, aufgrund meiner vielen Urlaube (ca. 25) und der Freundschaft zu der Hoteliersfamilie, ganz genau wusste und weiß, was so alles bzgl. deutsch-türkischen Beziehungen, A
şkims u.s.w. abgeht.

Ich wusste ganz genau – MIR PASSIERT SO ETWAS NICHT - !!!

Es kam anders.

Im Oktober 2008 war es wieder einmal soweit. Meine Scheidung war zwar schon seit zwei Jahren vorbei, jedoch klagte mein Ex-Mann immer noch gerichtlich gegen mich bzgl. finanzieller Forderungen. Ich selbst hatte mich zwischenzeitlich selbstständig gemacht und eine Versicherungsagentur eröffnet, meine Töchter machten mir das Leben auch nicht gerade leichter, da ich aufgrund meiner Selbstständigkeit meinen „Omapflichten“ nicht, oder nur wenig, nachkommen konnte u.s.w.

Ich hatte wieder einmal das Gefühl: „Alanya, ich muss kommen und nachdenken“. Kurzerhand buchte ich einen Flug für fünf Tage. Es war noch wunderschön warm und ich genoss die Sonne, den Strand und das Meer. Abends ging ich dann in die Stadt und wollte den Juwelier besuchen (kenne ich auch schon seit mehr als 10 Jahren). Hier wurde mir gesagt, dass er erst spät am Abend ins Geschäft kommen würde. Also beschloss ich, mich solange in ein Restaurant zu setzen, um hier ganz gemütlich die Zeit zu verbringen, bis der Juwelier dann da ist.

Und nun beginnt die eigentliche Story .....

In dem Restaurant waren genau 2 Leute, der Restaurantbesitzer und sein Kellner. Ich sollte mich zu ihnen an den Tisch setzen, was ich dann auch gerne tat, denn gegen ein bisschen Smalltalk hatte ich absolut nichts. Wir unterhielten uns auch sehr nett.
Plötzlich sagte der Restaurantbesitzer zu mir, dass ich seinem Kellner sehr gut gefallen würde. Daraufhin schaute ich mir den jungen Mann genauer an und sagte so ganz lapidar ins lächerliche hinein, dass ich vielleicht einmal mit meinen Töchtern vorbeikommen könne, denn ich wäre doch wohl definitiv zu alt für ihn. Was mir damals schon aufgefallen war, er sah sehr gut aus und hatte wunderschöne Augen, die bei meinem Kommentar sehr, sehr traurig wurden. Weiter habe ich mir damals keine Gedanken über ihn gemacht, da ich meinen Kopf ja auch mit tausend anderen Dingen voll hatte und mein Aufenthalt in Alanya sowieso nur insgesamt 5 Tage dauerte.

Auch als ich über Silvester 2008/2009 mit meiner Freundin und einem guten Bekannten in Alanya war, habe ich keinen Gedanken an dieses Restaurant oder aber diesen Kellner gehabt. Besser gesagt, ich hatte diese Begegnung schon total vergessen.

Dann kam der August 2009.

Ich hatte geplant, über meinen Geburtstag in Alanya Urlaub zu machen. Also buchte ich eine Pauschalreise in das mir sehr gut bekannte Hotel. Ich freute mich riesig auf die 14 Tage Sonne, Strand und Meer. Schon Wochen vorher begann ich mit den Urlaubsvorbereitungen, kaufte mir tolle Bikinis, suchte alte Schmuckstücke zusammen die ich eintauschen wollte u.s.w.

Dann kam endlich der 20. August 2009. Und hier weiss ich jetzt nicht, was es ist oder was es war Schicksal, Bestimmung??
Mein Flieger sollte um 16.00 Uhr in München starten. Da ich in der Nähe von Rosenheim wohne, dachte ich mir, wenn ich gegen 12.00 Uhr von zuhause wegfahre, liege ich mehr als gut in der Zeit. Aber, als ich mich auf den Weg machte, stellte ich fest, dass die Autobahn zwischen München und Salzburg aufgrund eines umgestürzten Tanklastzuges komplett gesperrt war. Also beschloss ich Landstraße zu fahren (leider sind sehr viele auf diese Idee gekommen). So stand ich dann erst eine ¼ Stunde vor Abflug am Check in Schalter. Der Flug war natürlich schon geschlossen. Ich hab dann nur noch gesagt: nehmt mich doch bitte mit. Dann sagte mir die Dame am Check in Schalter, dass der Flug doch noch einmal geöffnet wurde, da ein anderer Passagier unter extremer Flugangst litt und das Flugzeug verlassen musste. So kam ich dann sozusagen in „allerletzter“ Sekunde doch noch mit. Puhh, das war jetzt erst einmal geschafft. Der Urlaub konnte beginnen, wenn auch total schweißgebadet.

In Alanya angekommen, begrüßte mich die komplette Hoteliersfamilie total herzlich und ich fühlte mich wie immer, gleich „zuhause“.

Ich genoss den Strand, das Meer und einfach nur relaxen. Abends ging ich in die Stadt zum bummeln, zum Juwelier oder aber einfach, um mich irgendwo auf ein Glas Wein hinzusetzen.
Am dritten Tag meines Urlaubes ist es dann passiert. Ich drehte mich auf der Liege um und merkte plötzlich, dass mein Bikinioberteil (ausgerechnet mein Lieblingsbikini) nachgab. Ups, der Plastikverschluss war kaputt. (Wieder Schicksal??) Kurzerhand packte ich das Oberteil abends in eine Tüte und machte mich auf den Weg in die Stadt um es in einer Schneiderei reparieren zu lassen. Ich konnte mich daran erinnern, dass ich einmal in einem Restaurant gesessen habe, wo genau gegenüber eine Schneiderei war. Also nahm ich den „Kurs“ auf und lief los. Leider war die Schneiderei schon geschlossen wg. Ramadan.
Aber, dieses Restaurant war genau dieses, wo ich im Oktober 2008 gesessen bin, und genau die beiden, Restaurantchef und sein Kellner saßen genauso da, wie im letzten Jahr. Sie haben mich gesehen und auch gleich wieder erkannt. Auch bei mir kam dann die Erinnerung wieder, insbesondere, als ich die Augen des Kellners sah. Ich sollte mich auch gleich wieder zu ihnen setzen, aber ich sagte, dass ich zuerst mein Bikinioberteil wegbringen müsse. Dies habe ich dann auch getan und bin dann später wieder in das Restaurant.
Das gleiche Spiel begann von vorne. Der Restaurantbesitzer sagte, ich würde seinem Kellner gefallen. Sein Kellner, ich nenne ihn hier einmal „K“ wollte meine Einkaufstaschen ins Hotel tragen u.s.w. Ich habe der ganzen Sache zuerst überhaupt keine Bedeutung beigemessen. Deshalb bin ich auch ganz unbedarft abends öfter in dieses Restaurant gegangen, wir haben uns nett unterhalten und auch oft nur so herumgealbert wie z.B. ich sollte großen Koffer kaufen und „K“ mit nach Deutschland nehmen. So vergingen die Tage, doch als mein Urlaub fast zu Ende war, bemerkte ich, dass mir „K“ nicht mehr aus dem Kopf ging. Wenn ich nur an ihn dachte, fühlte es sich in meiner Magengegend an, als hätte ich einen Bienenschwarm verschluckt.

Als ich abends dann zum Restaurant kam, sagte „K“ sofort zu mir, was mit mir los sei. Ich wäre plötzlich so anders. Ich habe versucht, tausend Ausreden zu finden, aber ich glaube, er hatte sofort bemerkt, dass ich mich in ihn verliebt hatte. An diesem Abend nahm er dann meine Hand und hielt sie den ganzen Abend fest, er schaute mir in die Augen und ich sagte einfach nur noch zu ihm „K“ es darf nicht sein. Daraufhin sagte er zu mir: „Du hast nur ein Leben und ein Herz! Du musst wissen, was Du willst! Du hast schon so viele Male nein zu mir gesagt gesagt!“

Die letzten beiden Nächte meines Urlaubes haben wir dann gemeinsam in einem Aparthotel verbracht. Es waren die schönsten Nächte meines Lebens.

Am letzten Morgen haben wir uns dann verabschiedet und er fragte mich, wann ich wiederkommen würde. Ich sagte daraufhin, dass ich wahrscheinlich Silvester wieder da bin. Er schaute mich mit den gleichen traurigen Augen an, die er schon letztes Jahr hatte und sagte nur: Noch so lange! Ohne groß zu überlegen, sagte ich dann "O.k. dann komme ich im Oktober".
Er lächelte und sagte: ich warte auf Dich!

 

Als ich wieder zuhause war, habe ich mir zuerst gedacht, hake es einfach ab unter einem schönen Erlebnis. Aber dann ging es weiter, es kamen wunderschöne SMS von ihm, er rief mich zuhause an, wir schrieben uns E-Mails. Natürlich hatte ich meine Reise für den Oktober gleich wieder gebucht, diesmal für uns beide in „unserem Aparthotel“. Ich mietete mir am Flughafen Antalya ein Auto und fuhr nach Alanya. In meinem Gepäck hatte ich eine Einladung für ihn, damit er für 2 Monate im Winter zu mir kommen konnte.

Es waren wunderschöne 9 Tage. Wir waren die ganze Zeit nur zusammen (er hatte von seinem Chef frei bekommen) und haben die Zeit genossen. Wir waren viel mit dem Auto unterwegs und auch zu seinen Eltern hat er mich mitgenommen.  Natürlich hatten wir noch sehr viel Papierkram zusammenzutragen, wegen dem Antrag für das Visum. Hier kam dann die erste Forderung bzw. er sagte mir, dass er eine gewisse Summe auf seinem Konto nachweisen müsse, damit er das Visum erhält. Natürlich würde ich das Geld zurückerhalten, sobald er dann in Deutschland ist. Ich habe vertraut, konnte aber in so kurzer Zeit nur 1000 Euro flüssig machen. Heute sage ich „Gott sei Dank“.

Als ich dann am 1. Nov. zurück nach Deutschland geflogen bin, machte er sich gleich auf den Weg nach Izmir zum Konsulat. Die Zeit des Hoffens und Bangens ging los.

Nach einer Woche kam dann eine SMS von ihm, hier stand nur „Nein“.

Ich rief ihn sofort an und er weinte am Telefon. Mein Engelchen sagte er, ich darf nicht zu Dir kommen, das Konsulat hat nein gesagt. Ja, dann habe auch ich geweint. Ich war so verzweifelt, zum Einen das Nein vom Konsulat und zum Anderen seine Verzweifelung. Aber, was konnte ich tun? Ich hatte zum ersten November eine neue Stelle angenommen, also Urlaub war jetzt erst einmal nicht drin. Aber ich wusste, er braucht mich jetzt.

Also buchte ich kurzerhand für das Wochenende einen Flug von Freitagabend  bis Sonntag. Ich schrieb ihm nur kurz eine SMS dass wir uns Freitagnacht in unserem Aparthotel in Alanya treffen. Er rief mich daraufhin an und fragte, ob ich das ernst meine. Ich sagte nur: "„K“ ich liebe Dich und wir brauchen uns jetzt, besonders jetzt,  nach dieser Enttäuschung".
Ich glaube, dieses Wochenende hat auch ihm die Augen geöffnet, denn er hat einmal gesagt, dass er sich ab diesem Wochenende sicher war, dass wir uns sehr lieben. An diesem Wochenende war es auch, dass ich ihm die Geschichte vom großen und vom kleinen Hasen erzählt habe (habe ich meinem Enkelkind immer vorgelesen) der Titel: Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab.

 

Ab diesem Wochenende haben wir dann täglich miteinander telefoniert, uns die Liebe geschworen, bis zum Mond und wieder zurück (wie aus dieser Geschichte). Es war alles nur noch wunderschön.

Ich freute mich schon riesig, denn mein Chef hatte mir für Anfang Januar meinen Urlaub von Nov. und Dezember zugesichert. Also konnte ich am 31.12.09 nach Antalya fliegen und am 9. Januar wieder zurück. Wir konnten gemeinsam Silvester feiern und die restlichen Tage gemeinsam genießen.
Ich hatte wieder ein Auto am Flughafen Antalya reservieren lassen und dieses Mal wartete sogar „K“ am Flughafen auf mich. Wir fuhren gemeinsam mit dem Auto nach Alanya zu „unserem
Aparthotel.

Eigentlich hätte alles so schön sein können, aber, ich spürte, dass „K“ sich irgendwie verändert hatte. Zuerst einmal brauchte er 600 Lira für seine Kreditkarte. Als ich ihn dann darauf aufmerksam machte, dass er ja von mir noch die tausend Euro hat, die ich ihm im Oktober gegeben hatte, sagte er zu mir, dass er das Geld nicht mehr hat, schließlich war ja Opferfest und er hat eine Ziege kaufen müssen.
In dem Moment habe ich mir gedacht, ja und die dumme Kuh steht hier.

Ab diesem Zeitpunkt war, glaube ich, mein Verstand aktiver als mein Herz. Es störte ihn plötzlich, dass ich rauche. Meine Bluse war zu „offen“, kein anderer Mann darf mich berühren, u.s.w. Auch, als ich sagte, dass ich meine Freunde im Hotel besuchen möchte, fing er an rumzuzicken. Ich sagte ihm, dass er mitgehen soll, was er absolut nicht wollte. Ich fragte ihn, ob er was zu verbergen hätte, oder warum er sich ständig weigert, meine Freunde zu besuchen. Ich hab ihm Vorhaltungen gemacht, dass ich immer zu seinen Verwandten oder zu seinen Freunden mitgehen muss, wobei ich da sitze wie klein Doofi, da ich kein Wort türkisch verstehe, er aber meine Freunde anscheinend nicht akzeptiert.
Gut, nach langem hin und her, ging er dann doch mit –aber mit was für einem Gesicht!!!

Ein anderer Punkt aber, der dann letztendlich das ganze zum Eskalieren gebracht hatte, war der, dass er mit schöner Regelmäßigkeit abends (und das bereits schon bei unserem ersten gemeinsamen Urlaub im Oktober) abends zum „telefonieren“ ging. Den ganzen lieben langen Tag telefonierte er über sein Handy und abends dann von einer Telefonzelle aus, wobei ich dann schon immer ins Apartment vorgeschickt wurde??? Naja, das ganze platzte dann aus mir heraus, ich hab ihn nur noch angeschrien und gesagt, dass alle Typen in Alanya gleich sind. Dass ich keine Lust habe auf „Verarsche“ und dass ich ihn nie wieder sehen möchte.

Am nächsten Tag hat er mich dann noch bis zum Flughafen gebracht und mich bis zur Passkontrolle begleitet. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich nicht mehr will und auch nicht mehr kann. Er sagte nur: "Mein Engelchen, ich gebe Dir alle Zeit die Du brauchst".

Selbst, wenn er nicht so sein sollte, wie so viele Andere. Ich kann mit den ständigen Abschieden nicht leben, zumal ich nach meinem letzten Urlaub fast meine Arbeitsstelle verloren hätte, da ich einen Nervenzusammenbruch hatte. Ich hab nur noch geweint, und da ich im Außendienst bin kommt das nicht wirklich gut an.

Vor einer Woche haben wir das letzte Mal zusammen telefoniert, er ist in die Osttürkei gefahren, seine Schwester besuchen. Er hat dann den Vorschlag gemacht, dass wir jetzt 2 Wochen nicht miteinander telefonieren, damit jeder für sich seine Gedanken sortieren kann. (Denn ich habe seinen Kopf ja so durcheinander gemacht!!!)

Eine Woche ist jetzt um und ich weiß, dass ich ihn unendlich liebe, aber ich weiß nicht, wie es weiter-gehen wird.
Der Verstand sagt NEIN, das Herz sagt JA. Und ich denke, das ist genau der Punkt, wo sich hier viele Geschichten sehr ähnlich sind.